|
Weiße Nächte an der Oder:
Czernowitz
Eine Veranstaltung des Lehrstuhls für Geschichte Osteuropas an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) am 1. Juli 2004
Der Veranstaltungszyklus „Weiße Nächte an der Oder“, der im letzen Sommer mit einem Themenabend zu Sankt Petersburg seinen Auftakt hatte, findet in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt „Czernowitz“ statt. Neben der Grundintention des Projektes, sich verstärkt mit Räumen und Orten Ost- bzw. Ostmitteleuropas zu beschäftigen und somit zu einem Um- und Neudenken Europas anzuregen, soll explizit im EU-Erweiterungsjahr 2004 auf eine Stadt aufmerksam gemacht werden, die einst mitten in Europa lag, doch heute außen vor bleibt. Das Czernowitz der Vergangenheit war als Hauptstadt des Kronlandes Bukowina und als Fixpunkt im Osten des Habsburgerreiches multiethnisch, polyglott, reich an Konfessionen, an Menschen und an Büchern (Paul Celan). Doch heute kennt man die Stadt, wenn überhaupt, nur als bloße Erinnerung und als Urbild des Verlorenen. Was machte den Reiz des einstigen „Klein-Wiens“ aus? Und wie viel davon verblieb im Alltag einer heute eher durchschnittliche ukrainische Provinzstadt? Czernowitz sollte Europa etwas angehen, denn die Stadt steht mit seiner jüngeren Geschichte geradezu exemplarisch für das durch Katastrophen und Brüche geprägte Schicksal des Kontinents im 20. Jahrhundert und zeugt noch in der Gegenwart, in seinem Zustand der „Amputation“ von Europa (Juri Andruchowitsch), von der Künstlichkeit und Willkür von politischen Grenzziehungen. In der Auseinadersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart kann Czernowitz so gleichzeitig Mahnmal, aber auch Vorbild sein: Gerade im Hinblick auf die vollzogene Aufnahme von zehn neuen EU-Mitgliedern könnte die Czernowitzer Tradition der friedlichen Einheit in der Vielfalt als idealer Ansatzpunkt für Begegnung, Aussöhnung und Kooperation zwischen den Völkern im zusammenwachsenden Europa gelten.
Programm , 1. Juli 2004, 18-24 Uhr
18 Uhr, Senatssaal im HG der Universität Viadrina Vortrag von Prof. Amy Colin: „Czernowitz -Literaturhauptstadt Europas“ Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Amy Colin ist Mitglied des Zentrums für westeuropäische Studien und des Zentrums für russische und osteuropäische Studien an der Universität Pittsburgh, USA. Ihr Publikationsliste umfaßt zahlreiche Arbeiten zur Bukowina und zu Czernowitz. 18.30 Uhr, Senatssaal im HG der Universität Viadrina Vortrag von Prof. Andrei Corbea-Hoisie: „Deutsch-jüdische Kultursymbiose in Czernowitz. Aufstieg und Untergang“
Prof. Andrej Corbea-Hoisie ist Professor für Germanistik an der Alexandru-Ioan-Cuza Universität Jassy, Rumänien. Er hat sich unter anderem als Autor bzw. Herausgeber von Studien zur Czernowitzer Geschichte einen Namen gemacht.
anschließend Diskussion mit A. Colin, A. Corbea-Hoisie und Karl Schlögel über „Czernowitz - gestern und heute“
20 Uhr, Senatssaal im HG der Universität Viadrina Lesung von Stefanie Stegmann (Czernowitz): Die Schreibwerkstatt Czernowitz stellt sich vor
21.30 Uhr, Kleines Stufenkino auf dem ZiegenwerderFilmvorführung Volker Koepp: Dieses Jahr in Czernowitz (2003) mit Vorfilm: Mario Behling: „Ukrainische Impressionen“ (2003) Wie auch im letzten Jahr soll die Veranstaltung mit einer Kinovorführung vor der wunderschönen abendlichen Kulisse des Oderstroms auf dem Ziegenwerder ausklingen. Wir möchten mit den zwei filmischen Beiträgen, die in auf Freilichtbühne auf dem Ziegenwerder zu sehen sein werden, an die gelungene Vorführung des Alexander Sokurov -Films: „Russian Ark“ im Rahmen der letzten „Weißen Nächte“ anschließen.
Organisatoren Professur für Geschichte Osteuropas (Prof. Karl Schlögel), Europa-Universität Viadrina Juniorprofessur für Polen- und Ukrainestudien (Dr. Philipp Ther), Europa-Universität Viadrina
Partner Deutsches Kulturforum östliches Europa (Postdam) Marga- und Kurt-Möllgard- Stiftung (Essen) Förderkreis der Europa-Universität Viadrina (FF/O.) AStA der Europa-Universität Viadrina (FF/O.) City for the Cultures of Peace: International
Intersdiciplinary Institute, Inc. Kontakt Ann-Kathrin Mätzold (Projektkoordination), Professur für Geschichte Osteuropas, Tel.: 0335 5534-2689, Fax: 0335 5534-2819, E-mail: frankfurter-tor@gmx.net |